Myofunktionelle Störung
Definition
Im Mund-Gesichts-Bereich (orofazialen Bereich) besteht im Normalfall ein Gleichgewicht zwischen festen Strukturen (Kiefer, Zähne, Gaumen) und umliegenden Muskelgruppen (Lippen, Wange, Zunge).
Ist dieses Gleichgewicht gestört, so spricht man von einer myofunktionellen Störung.
Funktionen im Mund- und Gesichtsbereich
Die folgende Abbildung gibt einen Überblick über ausgewählte Aufgaben des Mundes.
| Atmung | ||||||||||||||||
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| Geschlossene Lippen sind Voraussetzung für die gesundheitsförderliche Nasenatmung. | ||||||||||||||||
| Artikulation | FUNKTIONEN IM MUND- UND GESICHTSBEREICH IM GLEICHGEWICHT |
Schlucken | ||||||||||||||
| Die Artikulation ist auf fein abgestimmte Bewegungen von Zähnen, Kiefer, Lippen, Zunge, Wangen angewiesen. | Normale Schluckbewegungen formen im Kindesalter den Oberkiefer aus. So werden wichtige Voraussetzungen für eine gute Aussprache geschaffen. | |||||||||||||||
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| [Eigene Darstellung] | ||||||||||||||||
^Symptome und Ursachen
Eine Veränderung im Mund- und Gesichtbereich zieht in der Regel weitere Veränderungen nach sich. Das ganze orofaziale System gerät ins Ungleichgewicht.
Aufgrund der vielfältigen Veränderungen ist es meistens nicht möglich herauszufinden, welche Faktoren ursächlich für das Entstehen einer myofunktionellen Störung verantwortlich sind. Häufig treten mehrere Symptome gleichzeitig auf.
Die folgende Abbildung gibt einen beispielhaften Überblick über wesentliche Symptome und Ursachen myofunktioneller Störungen.
| Mundatmung | |||||||||||||||||||||
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Ursachen für eine schädliche Mund-atmung können unter anderem
Die Mundatmung ihrerseits begünstigt eine falsche abgesenkte Zungenruhelage. |
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| Mund- und Gesichtsbereich im Ungleichgewicht |
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| [Eigene Darstellung] | |||||||||||||||||||||
^Therapie
Aufgrund der Vielfalt an Ursachen und Auswirkungen einer myofunktionellen Störung (siehe Abbildungen) ist für eine erfolgreiche Behandlung die Zusammenarbeit und der Informationsaustausch zwischen verschiedenen Fachberufen notwendig.
Hierzu gehören:
- Kieferorthopädie (z. B. Zahn- und Kieferfehlstellung)
- Sprachtherapie (z. B. Lautbildungsfehler, abweichendes Schluckmuster)
- Zahnmedizin (z. B. Zahnerhaltung, Kiefergelenksprobleme)
- und nicht zuletzt HNO-Heilkunde (z. B. Mundatmung)
In der Sprachtherapie wird zunächst eine detaillierte Diagnose der gegebenen Auffälligkeiten erstellt. Die Diagnose umfasst eine weitgehend komplette Beschreibung der individuellen Situation im und um den Mundraum sowie der Auffälligkeiten beim Sprech- und Schluckvorgang.
Die darauf folgende Therapie geht auf alle Komponenten individuell ein. Zunächst wird zur Vorbeugung weiterer Schädigungen im Mundbereich mit dem Abbau von falschen Gewohnheiten (z.B. Daumen lutschen oder Mundatmung) begonnen. Bevor nun das eigentliche Training des richtigen Schluckens und/oder des korrekten Sprechens beginnt, erfolgen Kraft- und Bewegungsübungen zur Stärkung der im Mundraum befindlichen Muskeln (v.a. Lippen- und Zungenmuskulatur).
^Literatur
Bücher
- Grohnfeldt, M. (2001): Lehrbuch der Sprachheilpädagogik und Logopädie, Band 2 – Erscheinungsformen und Störungsbilder
- Siegmüller, J. und Bartels, H. (2006): Leitfaden – Sprache, Sprechen, Stimme, Schlucken
Broschüre
- Giel, B. / Tillmanns-Karus, M. (1999): Myofunktionelle Störungen – eine Informationsbroschüre der Deutsche Gesellschaft für Sprachheilpädagogik (dgs)